Talinama
Talinama war sechs Jahre alt, als ein Erdbeben und ein darauf folgender Tsunami in Nias ihn zum Waisenkind machte. Beide Eltern und alle näheren Verwandten starben dabei. Die Leute, die ihn zunächst aufnahmen, brachten ihn bald in ein Waisenhaus, wo es ihm sehr schlecht ging. Nach seinen Angaben wurde er für die geringsten Fehler geschlagen und bekam kaum etwas zu essen. Eine Amerikanerin, die ein Mädchen adoptierte, fand ihn, in dem inzwischen aufgelösten Waisenhaus und brachte ihn zusammen mit Lina vor einem Jahr zu uns. Er war ein verschüchterter Junge, der viel zu klein für sein Alter war, mit extrem dünnen Armen und Beinen. Er hat bis heute Mühe zu sprechen. Aber der Junge ist erstaunlich intelligent. Inzwischen hat er Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, lacht viel, kümmert sich um die Kleinen und ist beliebt bei den anderen Kindern. Er ist zu alt für regulären Schulunterricht, aber er saugt Wissen auf wie ein Schwamm. Trotz seiner Sprachprobleme hat er sich besser als viele andere die englischen Sätze gemerkt, die ich abends mit den Kindern übe. Die wendet er jetzt ganz stolz bei der indischen Nählehrerin an, die kein Indonesisch versteht. Sie hat ihn in die Nähgruppe zu den Mädchen aufgenommen, da Schneider vielleicht der einzige Beruf ist, den er mit seinen schwachen Armen später ausüben kann. Außerdem hat sie ihm Gymnastik- und Yogaübungen zur Stärkung seines Körpers beigebracht. Durch uns alle wird der Junge mit seinem fröhlichen Wesen, trotz seiner zweifellos traumatischen Erlebnisse und trotz der Behinderung, die Chance auf eine bessere Zukunft haben.
aus Medan / Indonesien berichten unsere Mitglieder und Mitarbeiter John und Ingrid T.


